Unter dem Titel "Im Fallen gefangen" (pdf) hat Olaf Jantz einen kurzen, praxisnahen Artikel zu diesen Fragen veröffentlicht, den ich hier kurz vorstellen möchte.
Die Vorstellungen der Männlichkeit prägen das Körperbild
Über den eigenen Körper können Jungen, insbesondere in der Pubertät, zeigen, dass sie "richtige" Jungen bzw. junge Männer sind. Männlichkeit wird also maßgeblich über die eigene Präsentation des Körpers zum Ausdruck gebracht. Man denke nur an Bartwuchs, Muskeln, Haarschnitt, Kleidung, (laute) Stimme usw. Aber auch Härte (wie viel hält mein Körper aus?) und Abwehr von als unmännlich geltenden Körperreaktionen - als Beispiel sei hier das Weinen genannt.
Die Arbeit am eigenen Körper funktioniert nach dem Prinzip: Wie sieht der "richtige" und damit "normale", Männerkörper aus und was muss der Junge tun, um diesem Bild zu entsprechen? Wie gehen erwachsene Männer mit ihrem Körper um? Und wie wird der Männerkörper (wenn die Männer im eigenen Umfeld fehlen oder nicht erreichbar sind) medial gezeigt?
Der eigene (Jungen-)Körper wird also immer darauf abgeprüft, ob er auch als männlich genug erkannt wird. Ist dies erfolgreich, dass heißt wird er sozial anerkannt und bestätigt, wird auch die männliche Identität des Jungen sicherer.
Nur: Was passiert, wenn dies nicht geschieht?
Kleine Jungen, dicke Jungen, sanfte Jungen, ...
Jungen, die dem männlichen Idealbild weniger entsprechen (können) haben mit inneren Ambivalenzen zu kämpfen und enorme Anpassungsleistungen zu erbringen - immer mit der Frage: "Bin ich normal? Ein richtiger Junge?"
Aus jungenpädagogischer Perspektive ist daher für die Entwicklung einer stabilen, sicheren und gesunden männlichen Identität ein guter Selbstbezug zum eigenen Körper entscheidend. Eigene körperliche Grenzen aber auch dessen Leistungsfähigkeit sollten erfahrbar werden. Auch Gefühle von Freude, Lust, Angst, Anspannung, etc. werden wahrgenommen und integriert.
Übungen, Spiele und Methoden zur körperorientierten Jungenarbeit
Als Einstieg empfiehlt Jantz "sensibilisierende Kampfspiele". Damit dockt man an der Lebenswelt vieler Jungen gut an und bringt Spass ins Spiel.
Beispiel "Hahnenkampf": Auf einem Bein hüpfend, versuchen die Jungen sich gegenseitig zu Fall zu bringen.
Beispiel "Dreieck":Auf dem Boden wird ein Dreieck abgeklebt. An jede der Seiten stellt sich ein Junge und fasst die anderen an die Hände. Gegenseitig ziehen sich die Jungen. Wer zu erst das Dreieck betritt, hat verloren. Durch die Dreier-Situation entstehen mitunter gute Dynamiken. Starke Jungen setzen ihre Kraft ein, andere können durch Geschicklichkeit punkten.
Beispiel "Rücken an Rücken": Den Umgang mit eigener Kraft und die Wahrnehmung der Kraft des Anderen können bei dieser Übung erlebt werden. Zwei Jungen sitzen auf dem Boden und versuchen gemeinsam aufzustehen. Nur mit der richtigen Dosierung der eigenen Kraft gelingt dies. Später kann man das Paar erweitern und evtl. die gesamte Gruppe gleichzeitig zum Aufstehen anleiten.
Eine Erweiterung dieser Aufsteh-Übung ist "Auto-Scooter": Sind die beiden Jungen aufgestanden und stehen noch immer Rücken an Rücken, werden sie aufgefordert, andere Pärchen zu rammen und diese umzustoßen. Die Koordinierung wird hier noch anspruchsvoller. Gleichzeitig wird durch den Bezug auf etwas Drittes ("die anderen rammen") ein jungentypisches Angebot gemacht, bei dem Nähe zum eigenen Partner nicht direkt thematisiert wird.
Massagen, Fantasiereisen und Vertrauensübungen können später daran angeschlossen werden. Diese Übungen beschreibt Jantz ebenfalls in seinem Artikel. Hinweisen möchte ich dabei noch darauf, dass diese Übungen ein sehr hohes Vertrauen in der Gruppe erfordern (und schnell kippen können, wenn dies verletzt wird). Darüber hinaus sollte man als Leiter immer zu zweit arbeiten um Gruppenprozesse gut im Blick behalten und absichern zu können.

hmmm... "dritte wahl" würde ich nicht sagen, denn ohne sprach läuft nix - also eher erste bis zweite wahl. körperarbeit ist wichtig, doch ansprache mit sicherheit auch.
AntwortenLöschenkann ich nur zustimmen....
AntwortenLöschenohne Regeln läuft nix...
sonst läuft´s aus dem Ruder!!