Beispiel: Ein paar Jungen sitzen spontan bei Kleber, Strohalmen und Zahnstochern um sich "Giftpfeile" zu basteln. Eine Kollegin kommentiert: "Die guten Sachen, was ihr nur damit macht. Die Mädchen haben letztens so schöne Osterhasen gebastelt und ihr macht die schönen Bastelsachen kaputt."
Klar wird: Basteln = schöne Sachen machen = Mädchensache.
Umdeuten heißt hier erst einmal überhaupt zur Kenntnis zu nehmen: Jungen basteln. Nur vielleicht nicht die Dinge, die Erwachsene gern hätten.
Umdeuten heißt auch: Neu zu überlegen: Welche Vorstellungen von richtigem Basteln habe ich? Und wie sind diese Vorstellungen mit denen von richtigen Jungen verbunden? Dürfen Jungen das basteln, was sie möchten oder ist kreativ-sein in unserer Einrichtung "Frauen-Sache"?
Ein anderes Beispiel:
Jungen und Zärtlichkeit
Wie wird ein Junge sagen, das er gern gestreichelt werden möchte? Ganz einfach, er sucht sich einen guten Grund:

Also: Wer hat noch einmal gesagt, Frauen seien so kompliziert? Geht es um das Ausdrücken von Bedürfnissen und Wünschen sind viele Jungen Meister der indirekten Kommunikation.
Es lohnt sich also dahinter zu schauen und zu fragen: Was könnte (noch) hinter dem Verhalten des Jungen stecken?

Als Junge kann/darf man aber auch nicht einfach sagen, dass man gestreichelt werden möchte, weil man dann gleich als Memme gilt und sofort die Angst umgeht, dass aus dem kein richtiger Mann wird.
AntwortenLöschenHallo Christian, ich habe keine Kontaktadresse auf Deinem Blog gefunden. Jedenfalls möchte ich Dich auf die Webseite der AG Männer der Piratenpartei aufmerksam machen, die sich ebenfalls mit dem Thema Jungen beschäftigt http://www.ag-maenner.de
AntwortenLöschenInteressant auch diese Artikel: http://ag-maenner.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=55&Itemid=83
Welche Vorstellung von "richtigem Junge-Sein" habe ich? Diese Frage sollten sich alle - Männer und Frauen - die mit Jungs arbeiten stellen.
AntwortenLöschenIn meiner Arbeit habe ich es mit einer enormen Bandbreite an verschiedensten Persönlichkeiten zu tun, mal sehr sportorientiert, schmächtig, sensibel, praktisch, technisch begabt (oder auch garnicht!), etepete, handfest, kann Nähen, musisch... - und alles sind Jungen! Ob wild Feuer machen, Radreparieren und Outdoor-Touren: mach ich mit den Knaben - meine männlichen Kollegen machens (bzw. könnens) nicht. *g*
Ich finde es aber schwierig zu sagen, dass Jungs generell auf kernige Sachen stehen. z.B. schätzen viele auch das Kochen mit mir (immer frisch, lecker und mit weisser Tischdecke), wir haben Vorhänge genäht etc. Wichtig ist mir eine grosse Bandbreite für die Weite an Bedürfnissen. Und ich merke wie sich da manch männlicher Kollege viel schwerer tut (Sozialisation und Abhärtung bei der Bundeswehr?) Auch z.B. gegenüber Jungs die sich gerade mit ihrem Schwulsein aueinandersetzen.
Letztlich muss ich als Pädagoge auf jeden als einzigartigen Mensch eingehen.
Sehr schönes Kommentar, das letzte. Ja, ich denke auch dass sich zu erst die Frauen und Männer bzw. PädagogInnen über ihr Bild von Jungen klar werden müssen. Wie sollen sie sein? Welches Verhalten dürfen sie zeigen? Was ist gewollt?
AntwortenLöschenEin schönes Plädoyer für Vielfalt und eine Pluralität in pädagogischen Angeboten.