
Warum?
Die beiden Autoren weisen immer wieder auf den so genannten "i-Faktor" hin: Es ist entscheidend für eine professionelle Jungenarbeit, dass sie institutionell abgesichert ist. Denn noch immer hängt es oft von ein, zwei engagierten Personen in einer Einrichtung ab, ob Jungenpädagogik stattfindet - oder eben nicht. Langfristige Verbesserungen für Jungen kann so nicht stattfinden.
Anders gesagt: Ohne Arbeit auf einer strukturellen Ebene wird sich an den Rahmenbedingungen für das Aufwachsen von Jungen wenig ändern.
Pädagogisch: Jungenarbeit - Gesellschaftlich: Jungenpolitik
Dabei ist es wichtig, die Dinge nicht zu vermischen: Jungen sind Kinder/Jugendliche und keine Erwachsenen! Denn: Welche Veränderung findet wo, auf welcher Ebene, statt?
Pädagogisch ist es wichtig, den individuellen Jungen zu begleiten und positive Entwicklungsmöglichkeiten zu unterstützen, seine Kompetenz zu erkennen. Gesellschaftliche Negativ-Zuschreibungen ("Sorgenkinder der Nation") verstellen hier nur den Blick und bieten keinen Ressourcen-orientierten Ansatz für die pädagogische Arbeit mit Jungen.
Um Strukturelles zu verändern, braucht es zu erst strukturelle Veränderung, Pädagogik kann hier allenfalls unterstützen.
So geht Jungenarbeit, Seite 31
Ein schönes und oft gehörtes Beispiel ist hier die Forderung nach mehr Männern in Kitas und Grundschulen. Abgesehen davon, dass natürlich auch auf die Qualifikation der Männer geschaut werden muss; so ist es nicht Aufgabe von (Jungen-)Pädagogik dafür zu sorgen, den Männeranteil in Kitas und Grundschulen zu erhöhen. Hier ist Jungenpolitik gefragt.
Vor diesem Hintergrund ist es sehr begrüßenswert, dass Bundesfamilienministerin Kristina Schröder einen "Beirat für Jungenpolitik" einberufen hat. Leider ist auf der Website des Ministeriums nicht zu erfahren, wer die berufenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind.
Im Februar ist die erste konstituierende Sitzung des Beirats. Dann werden auch die Jungen, die als "Anwälte in eigener Sache" in den Beirat berufen werden, vorgestellt.
Ich bin sehr gespannt, wie dieses Gremium arbeiten wird und an welchen Stellen man die Ergebnisse der Arbeit sehen wird.

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