Sonntag, 8. Mai 2011

Neues Buch von Reinhard Winter - Jungen - Eine Gebrauchsanweisung

Vorab: Das neue Buch von Reinhard Winter hat mich restlos begeistert und wieder viel Mut und Enthusiasmus für die Arbeit mit Jungen gegeben.

Es ist Zeit für eine andere Jungenerziehung! - so lautet die Überschrift auf der Website des Verlages zu dem Buch. Hier finden sich auch eine Leseprobe und das Inhaltsverzeichnis.

Spagat zwischen Erziehungs-Rezepten und Haltung

Viele Eltern und auch Fachkräfte sind gegenwärtig auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage: Wie erziehe ich denn nun Jungen richtig? Orientierungslosigkeit, die schnell zur Hilflosigkeit wird, wenn die Jungen dann auch noch problematisches Verhalten zeigen. Schnell wird dann nach den Knöpfen gesucht, die man nur drücken muss, damit die Jungen wieder funktionieren - das Erziehung so nicht läuft, ist klar.

Der besondere Gewinn des Buches von Reinhard Winter ist es, dass es den Spagat zwischen dem gesuchten "Rezeptwissen" und einer den Jungen zugewandten Haltung meistert. Ich vermute, dass daher auch der Titel "Eine Gebrauchs-
anweisung" so gewählt wurde.

Zum Glück steht schon im Untertitel, worum es am Ende gehen muss: "Jungen verstehen und und unterstützen". Gleich auf der ersten Seite weist der Autor auch selbst ausdrücklich darauf hin: "Jungen sind keine Geräte oder Maschinen, sie werden nicht in Betrieb genommen, benutzt oder abgeschaltet."

Also: Don't judge a book by its cover!

Wissen - Reflektieren - Handeln

In diesem Dreiklang kann Jungenarbeit erfolgreich sein. Das war offensichtlich auch die Grundidee für den Aufbau des Buches.

Das Buch ist in zwei große Abschnitte unterteilt, bei dem das Thema "Reflektieren" permanent in beide Teile einfließt. Im ersten Teil vermittelt Reinhard Winter fundiertes Wissen zu Jungen. Im Zweiten gibt er Tipps, wie mit Jungen umgegangen werden kann.

Zum Verständnis von Jungen werden die drei Perspektiven
  • "Biologie / Körper"
  • "Psyche / Psychodynamik Mutter, Vater, Sohn" sowie
  • "Gesellschaft / Männlichkeitsbilder"
angeboten und aufeinander bezogen. So schafft es das Buch einen differenzierten Blick auf Jungen zu eröffnen. Sprachlich bleibt Winter dabei immer verständlich.

Auf dieser Grundlage lassen sich dann die zehn "Gebrauchsanweisungen" lesen. Diese kreisen im Wesentlichen um das Beobachten und das Sich-Interessieren für Jungen und um Dinge, die man mit Jungen tun kann.

Eingestreute Kästen mit Tipps und Fragen von Eltern lockern das Buch auf. Darüber hinaus lädt es so zum kurzweiligen Blättern und Stöbern ein.

Fazit: Gegen die Lieblosigkeit in der Jungenerziehung!

Das Buch ist in erster Linie für Eltern geschrieben. Es schlägt daher eher einen alltäglichen und weniger fachlichen Ton an.

Daher zum Abschluss ein nicht-fachliches, aber existenziell wichtiges Statement:

"Jungen brauchen Liebe."

Reinhard Winter,
Jungen, Gebrauchsanweisung Nr.9, Seite 245

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