Dienstag, 28. Juni 2011

Wrestling und Kämpfen mit Jungen

Verbieten oder damit arbeiten?

Immer wieder steht man als Jungenarbeiter, gerade in der Offenen Arbeit, vor dieser Entscheidung. Es muss auf die Themen, mit denen die Jungen kommen, reagiert werden.

Das heißt: Wenn es Jungen gibt, die gern kämpfen und Wrestling toll finden, sollte man sich darauf einlassen und es jungenpädagogisch nutzen. Wie das gehen kann, zeigt ein guter Fachartikel, den ich auf der Seite des Jugendhaus Hardhöhe gefunden habe:

Wrestlingtraining. Konzept für ein geschlechtsspezifisches Angebot für Jungen. (pdf)

Der Artikel setzt sich kritisch mit Wrestling auseinander, erkennt die Probleme aber auch die Potenziale, die sich für die Arbeit mit Jungen daraus ergeben. Wird Wrestling mit Jungen bewusst angeleitet, so bieten sich folgende Chancen:

  • Regeln: Erfolgreiche Kämpfe funktionieren nur, wenn sich alle Beteiligten an grundlegende Regeln halten. Das leuchtet den allermeisten Jungen unmittelbar ein. Im Normalfall entwickeln die Jungen selbst die Grundregeln.

  • Rollenübernahme: Jungen haben großen Spaß daran, sich eigene Moves, Abläufe und Choreographien für die Kämpfe auszudenken und nach zuspielen. Indem sie die Rollen der Wrestler übernehmen, zeigt sich, dass sie erkennen, dass Wrestling nicht wirklich "ernst" ist, sondern in weiten Teilen von der Show lebt. So wird der Unterschied zwischen Fernsehen und Realität erlebbar.

  • Umgang mit Aggression: Aggressionen sind nicht an sich etwas schlechtes. Im fairen Wrestling-Kampf können intensive Gefühle auf eine produktive Weise ausgelebt werden. In dem Jungen einen Umgang mit ihren Aggressionen und Gefühlen lernen, leistet man einen aktiven Beitrag zur Selbstbehauptung von Jungen.

  • Grenzen: Immer nur Kämpfen oder auch Pausen machen? Für die Selbstbehauptung von Jungen ist es wichtig, dass Jungen ihre eigenen Grenzen kennen lernen. Das gilt sowohl für das eigene Kraft-erleben als auch für das bewusste Kraft-tanken. Es gilt die Balance zwischen Kämpfen und Ausruhen, Anspannung und Entspannung zu finden, um nicht in pures Tun und permanentes "Über-der-Grenze-sein" zu verfallen.

Wie immer gilt auch beim Wrestling: Führt man ein solches Angebot mit Jungen durch, muss die Zielstellung und Haltung klar sein. Diese sollte sich an den Bedürfnissen aller (!) Jungen in der Gruppe orientieren, zur Verantwortungsübernahme für das eigene Handeln anleiten und Antworten auf die Frage haben: Wie gehen wir mit Verlierern um? Wie mit den Gewinnern?

Gemeinsam mit den Jungen nach Antworten zu suchen macht viel Spaß! Und Wrestling auch ;-)

Artikel:

Wrestlingtraining. Konzept für ein geschlechtsspezifisches Angebot für Jungen. (pdf)

2 Kommentare:

  1. Ich kommentiere ja sehr selten, aber hier möchte ich einmal meinen Dank ausdrücken. Das Konzept ist schön. Leider wird Jungenarbeit oft noch sehr vernachlässigt in unserem Wirkungskreis. Danke :-)

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  2. Wieso mit Fremdwörtern arbeiten? Rammeln oder Kämpfen sind die vertrauten Wörter für den Körperkontakt, den Jungen oft auch suchen, der ihnen aber meistens verwehrt wird.
    Allerdings hat er auch seine Grenzen. Heterosexuell orientierte Jungs mögen das ab einem gewissen Alter gar nicht. Es ist ihnen zu schwul. Ich habe das selber beobachten Können vor einer Schule für Trommeln und Pfeifen...

    Die Frage bleibt: Wie können/dürfen sich Jungs und Männer körperlich nähern, ohne sofort Angst zu bekommen und Klischees bedienen zu müssen?

    Frauen haben im Gegensatz dazu viel mehr Möglichkeiten, sich einander anzunähern: Ankleiden, Frisieren, etc.

    Es gäbe hier noch viel Arbeit, aber da drückt Mann sich lieber drum!

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